
Sie gehören seit Jahrhunderten zu unserer Landwirtschaft. Sie haben Felder bestellt, Milch geliefert, Landschaften gepflegt und ganze Regionen geprägt. Doch viele traditionelle Nutztierrassen sind heute selten geworden. Einige stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Ob Buntes Bentheimer Schwein, Limpurger Rind oder Braunes Bergschaf: Hinter diesen Namen verbergen sich Tiere, die einst selbstverständlich zum deutschen Landleben gehörten. Heute kämpfen engagierte Landwirte und Züchter darum, sie für kommende Generationen zu erhalten.
Wie ernst die Lage ist, zeigt die Rote Liste einheimischer Nutztierrassen 2025 der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Von 83 erfassten einheimischen Großtierrassen gelten 59 als gefährdet. Auch bei Geflügel und Kaninchen sieht es nicht wesentlich besser aus.
Warum verschwinden diese Tiere? Sind moderne Hochleistungsrassen tatsächlich immer überlegen? Und können Verbraucher durch ihren Einkauf beim Bauernhof dazu beitragen, alte Rassen zu erhalten?
59 von 83 heimischen Großtierrassen sind gefährdet
Die Zahlen sind bemerkenswert: Laut der Roten Liste 2025 gelten rund 60 Prozent der insgesamt erfassten einheimischen Groß- und Kleintierrassen als gefährdet.
- 59 von 83 einheimischen Großtierrassen sind gefährdet.
- 64 von 125 einheimischen Kleintierrassen gelten ebenfalls als gefährdet.
- Zu den Großtieren zählen Rinder, Schweine, Pferde, Esel, Schafe und Ziegen.
- Zu den Kleintieren gehören insbesondere Geflügel und Kaninchen.
Diese Zahlen beschreiben die Gefährdung von Rassen, nicht die Zahl der bedrohten Tierarten. Hausrinder oder Hausschweine als Arten verschwinden dadurch nicht. Verloren gehen könnten jedoch eigenständige Zuchtlinien mit besonderen genetischen Eigenschaften.
Auch bedeutet die Einstufung als gefährdet nicht zwangsläufig, dass eine Rasse unmittelbar vor dem Aussterben steht. Entscheidend sind unter anderem die Zahl der Zuchttiere, die genetische Vielfalt und die langfristige Entwicklung der Population.
Die offiziellen Angaben veröffentlicht das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt der BLE in der Roten Liste einheimischer Nutztierrassen.
Warum verschwinden alte Nutztierrassen?
Der Rückgang traditioneller Nutztierrassen ist eng mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft verbunden. Über viele Generationen wurden Tiere gezüchtet, die zu bestimmten Landschaften, klimatischen Bedingungen und landwirtschaftlichen Aufgaben passten.
Ein Rind sollte Milch liefern, Fleisch ansetzen und gegebenenfalls auch als Zugtier eingesetzt werden können. Schafe wurden wegen ihrer Wolle, ihres Fleisches und zur Beweidung gehalten. Schweine verwerteten unterschiedliche Futtermittel und waren häufig eng in den bäuerlichen Betrieb eingebunden.
Mit der zunehmenden Spezialisierung der Landwirtschaft änderten sich die Anforderungen.
1. Hochleistungsrassen verdrängen traditionelle Tiere
Moderne Zuchtprogramme konzentrieren sich häufig auf klar definierte Leistungsmerkmale. In der Milchviehhaltung ist beispielsweise die Milchleistung ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. In der Schweinehaltung spielen Futterverwertung, Wachstum und Schlachtkörperqualität eine wichtige Rolle.
Viele alte Rassen können bei diesen Kennzahlen nicht mit spezialisierten modernen Zuchtlinien mithalten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie grundsätzlich schlechter sind. Häufig besitzen sie andere Stärken, die unter bestimmten Haltungsbedingungen besonders wertvoll sein können.
2. Die Wirtschaftlichkeit entscheidet
Landwirtschaftliche Betriebe müssen ihre Kosten decken. Wenn eine seltene Rasse weniger Milch liefert, langsamer wächst oder höhere Kosten verursacht, muss der Betrieb diese Nachteile wirtschaftlich ausgleichen können.
Das gelingt beispielsweise durch Direktvermarktung, besondere Qualitätsprodukte, Förderprogramme oder zusätzliche Einnahmen aus der Landschaftspflege.
Fehlen solche Möglichkeiten, wird die Haltung seltener Rassen zunehmend schwierig.
3. Kleine Zuchtbestände werden zum Problem
Wenn nur wenige Zuchttiere einer Rasse vorhanden sind, kann die genetische Vielfalt abnehmen.
Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte effektive Populationsgröße. Sie beschreibt vereinfacht, wie viele Tiere tatsächlich zur genetischen Weitergabe beitragen.
Eine Rasse kann deshalb auch dann gefährdet sein, wenn noch mehrere Hundert Tiere existieren. Entscheidend ist nicht allein die Gesamtzahl, sondern unter anderem, wie viele voneinander ausreichend unabhängige Zuchtlinien erhalten bleiben.
4. Traditionelle Nutzungsformen verlieren an Bedeutung
Viele alte Nutztierrassen wurden ursprünglich für Aufgaben gezüchtet, die heute kaum noch eine wirtschaftliche Rolle spielen.
Schwere Arbeitspferde wurden durch Traktoren ersetzt. Die Nachfrage nach heimischer Schafwolle ist begrenzt. Traditionelle Zweinutzungsrinder stehen im Wettbewerb mit spezialisierten Milch- und Fleischrassen.
Mit dem Rückgang ihrer ursprünglichen Verwendung verlieren die Tiere häufig auch ihre wirtschaftliche Grundlage.
Diese alten Nutztierrassen sollten Sie kennen
Deutschland besitzt eine bemerkenswerte Vielfalt regional entstandener Nutztierrassen. Einige sind durch ihr außergewöhnliches Aussehen bekannt, andere durch ihre jahrhundertealte Geschichte.
Das Bunte Bentheimer Schwein: Ein geflecktes Stück Landwirtschaftsgeschichte
Das Bunte Bentheimer Schwein ist an seiner hellen Haut mit unregelmäßigen dunklen Flecken zu erkennen. Seine Geschichte ist eng mit der Region Bentheim im westlichen Niedersachsen verbunden.
Die Rasse wurde im Zuge der zunehmenden Spezialisierung der Schweineproduktion stark zurückgedrängt.
Heute wird sie unter anderem von Erhaltungszüchtern und direktvermarktenden Betrieben gehalten.
Ihre Geschichte zeigt, dass eine traditionelle Rasse durchaus wieder wirtschaftliche Bedeutung gewinnen kann, wenn Erzeuger und Verbraucher gemeinsam einen Markt für ihre Produkte schaffen.
Das Limpurger Rind: Eine seltene Rasse aus Baden-Württemberg
Das Limpurger Rind stammt aus dem süddeutschen Raum und gehört zu den traditionellen Zweinutzungsrassen.
Früher waren solche Rinder für bäuerliche Betriebe besonders wertvoll, weil sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen konnten.
Mit der Spezialisierung auf hohe Milch- beziehungsweise Fleischleistungen verloren viele Zweinutzungsrassen an Bedeutung.
Das Limpurger Rind wird in der Roten Liste 2025 als Erhaltungspopulation geführt. Seine Zukunft hängt wesentlich davon ab, ob ausreichend Zuchtbetriebe erhalten bleiben.
Das Rote Höhenvieh: Eine Rasse mit langer Tradition
Das Rote Höhenvieh ist eine traditionelle Rinderrasse, die insbesondere mit deutschen Mittelgebirgsregionen verbunden ist.
Sie wurde historisch als vielseitiges Nutztier gehalten und besitzt Eigenschaften, die für eine extensive Grünlandbewirtschaftung interessant sein können.
Heute wird die Rasse unter anderem in der Landschaftspflege und in regionalen Vermarktungskonzepten eingesetzt.
Gerade für Betriebe, die weniger auf maximale Einzeltierleistung und stärker auf standortangepasste Haltung setzen, können solche Rassen eine interessante Alternative darstellen.
Das Braune Bergschaf: Wenn traditionelle Schafhaltung unter Druck gerät
Das Braune Bergschaf gehört zu den traditionellen Schafrassen des Alpenraums.
Die Rote Liste 2025 zeigt eine Verschlechterung seiner Bestandssituation. Die Rasse musste in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft werden.
Die Schafhaltung steht vielerorts unter wirtschaftlichem Druck. Hinzu kommen Herausforderungen durch Tierseuchen, die Kosten der Tierhaltung und regional auch Konflikte mit großen Beutegreifern.
Damit wird deutlich, dass der Erhalt alter Rassen nicht allein eine Frage der Zucht ist. Er hängt auch von den allgemeinen Bedingungen der Landwirtschaft ab.
Das Leicoma-Schwein: Eine selten gewordene deutsche Schweinerasse
Leicoma ist eine in Deutschland entwickelte Schweinerasse, deren Name auf die Zuchtstandorte Leipzig, Cottbus und Magdeburg zurückgeht.
Die Rasse wird in der Roten Liste 2025 als Erhaltungspopulation geführt.
Sie ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur jahrhundertealte Landrassen gefährdet sein können. Auch vergleichsweise junge Züchtungen können ihre wirtschaftliche Bedeutung verlieren und in ihrem Bestand stark zurückgehen.
Das Rotbunte Husumer Schwein: Ein auffälliger Vertreter alter Schweinerassen
Mit seiner charakteristischen rot-weißen Zeichnung gehört das Rotbunte Husumer Schwein zu den optisch auffälligsten traditionellen Schweinerassen.
Sein kleiner Zuchtbestand macht die langfristige Erhaltung zu einer anspruchsvollen Aufgabe.
Solche Rassen können für Besucher von Bauernhöfen und Arche-Höfen besonders interessant sein. Ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild bietet einen guten Einstieg, um über die Bedeutung genetischer Vielfalt in der Landwirtschaft zu informieren.
Warum ist der Erhalt alter Nutztierrassen überhaupt wichtig?
Man könnte fragen: Wenn moderne Rassen wirtschaftlicher sind, warum sollten wir die alten überhaupt erhalten?
Die Antwort reicht weit über Nostalgie und Heimatverbundenheit hinaus.
Genetische Vielfalt als Reserve für die Zukunft
Jede Nutztierrasse besitzt eine bestimmte genetische Zusammensetzung. Einige alte Rassen weisen Eigenschaften auf, die für zukünftige Zuchtprogramme interessant sein könnten.
Dazu können beispielsweise Anpassungen an regionale Umweltbedingungen, besondere Nutzungsmerkmale oder Eigenschaften im Zusammenhang mit Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gehören.
Welche Eigenschaften tatsächlich vorliegen, muss allerdings für jede Rasse wissenschaftlich untersucht werden. Alte Rassen sind nicht automatisch robuster oder gesünder als moderne Tiere.
Geht eine Rasse endgültig verloren, lässt sich ihre ursprüngliche genetische Vielfalt nicht ohne Weiteres wiederherstellen.
Regionale Landwirtschaft erhalten
Viele Rassen sind eng mit bestimmten Regionen verbunden. Sie gehören zur Geschichte der dortigen Landwirtschaft und teilweise auch zur Kulturlandschaft.
Wenn traditionelle Weideformen erhalten bleiben, kann dies außerdem positive Auswirkungen auf die Landschaftspflege haben.
Entscheidend ist dabei die konkrete Bewirtschaftung. Nicht jede alte Rasse trägt automatisch stärker zum Naturschutz bei als eine moderne.
Vielfalt statt vollständiger Spezialisierung
Eine Landwirtschaft, die auf unterschiedliche Rassen und Nutzungssysteme zurückgreifen kann, besitzt mehr Möglichkeiten, auf veränderte Anforderungen zu reagieren.
Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, steigender Produktionskosten und sich wandelnder Verbraucherwünsche kann eine breite genetische Basis langfristig wertvoll sein.
Alte Nutztierrassen und moderne Landwirtschaft: Ein Widerspruch?
Alte und moderne Nutztierrassen müssen keine Gegensätze sein.
Moderne Zucht hat erhebliche Fortschritte bei Leistung, Futtereffizienz und anderen wirtschaftlich relevanten Eigenschaften ermöglicht.
Gleichzeitig können traditionelle Rassen in extensiven Haltungssystemen, bei der Landschaftspflege oder in der regionalen Direktvermarktung ihre Stärken ausspielen.
Entscheidend ist, welche Rasse zu welchem Betrieb und welchem Nutzungskonzept passt.
Ein kleiner Hof mit regionaler Vermarktung hat andere wirtschaftliche Voraussetzungen als ein großer, spezialisierter Milchviehbetrieb.
Der Erhalt alter Rassen bedeutet deshalb nicht, die moderne Landwirtschaft abzulehnen. Vielmehr geht es darum, zusätzliche Möglichkeiten und genetische Ressourcen zu bewahren.
Was sind Arche-Höfe?
Eine wichtige Rolle beim Erhalt bedrohter Nutztierrassen spielen sogenannte Arche-Höfe.
Das Arche-Projekt der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) unterstützt die Haltung und Bekanntmachung gefährdeter Rassen.
Auf teilnehmenden Betrieben werden entsprechende Tiere gehalten und häufig auch Besuchern vorgestellt.
Solche Höfe können wichtige Aufgaben übernehmen:
- Erhaltung und Zucht gefährdeter Nutztierrassen
- Information über traditionelle Landwirtschaft
- Vermittlung von Wissen an Besucher und Schulklassen
- Regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse
- Zusammenarbeit mit Zuchtvereinen und anderen Erhaltungsbetrieben
Weitere Informationen zu gefährdeten Rassen und Erhaltungsprojekten bietet die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.
Kann man bedrohte Nutztierrassen durch den Kauf ihrer Produkte retten?
Das klingt zunächst widersprüchlich: Wie soll der Kauf von Fleisch dazu beitragen, eine seltene Schweine- oder Rinderrasse zu erhalten?
Der Hintergrund ist wirtschaftlicher Natur.
Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb mit einer traditionellen Rasse ein tragfähiges Einkommen erzielen kann, steigt der Anreiz, diese Rasse weiter zu halten und gezielt zu züchten.
Bei bestimmten Rassen kann die Vermarktung von Fleisch, Milchprodukten oder anderen Erzeugnissen deshalb ein Bestandteil der Erhaltungsstrategie sein.
Das Prinzip wird häufig mit dem Gedanken „Erhalten durch Nutzen“ beschrieben.
Allerdings funktioniert dieser Ansatz nur unter bestimmten Voraussetzungen. Entscheidend ist, dass die Erlöse tatsächlich Betrieben zugutekommen, die sich an der Erhaltungszucht beteiligen.
Ein Produkt mit einer traditionellen Rassebezeichnung garantiert für sich allein noch keinen wirksamen Beitrag zum Rassenerhalt.
Verbraucher sollten deshalb gezielt nachfragen, ob ein Betrieb mit anerkannten Zuchtprogrammen zusammenarbeitet und wie die Tiere gehalten werden.
Welche Rolle spielen Hofläden und Direktvermarkter?
Für viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe ist die Direktvermarktung ein wichtiger wirtschaftlicher Baustein.
Während im klassischen Lebensmittelhandel häufig standardisierte Produkte gefragt sind, können Hofläden besondere Erzeugnisse anbieten und deren Geschichte erklären.
Ein Landwirt, der beispielsweise eine seltene Schweinerasse hält, kann seinen Kunden erläutern, warum diese Tiere langsamer wachsen, welche Besonderheiten die Haltung mit sich bringt und weshalb die Produkte möglicherweise mehr kosten.
Die persönliche Verbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher schafft Transparenz, die im anonymen Lebensmittelhandel oft fehlt.
Wer landwirtschaftliche Betriebe in seiner Region entdecken möchte, findet auf DirektvomHof.com ein Verzeichnis mit Hofläden und Direktvermarktern aus Deutschland.
Ob ein bestimmter Betrieb gefährdete Nutztierrassen hält, sollte direkt beim jeweiligen Erzeuger erfragt werden.
Warum Produkte alter Nutztierrassen häufig teurer sind
Produkte aus der Haltung traditioneller Rassen können teurer sein als vergleichbare Erzeugnisse aus spezialisierten Produktionssystemen.
Dafür gibt es verschiedene mögliche Gründe:
- Geringere Produktionsmengen
- Langsameres Wachstum bestimmter Rassen
- Höherer Arbeitsaufwand in kleinen Betrieben
- Kosten für Zucht und Erhaltung kleiner Populationen
- Aufwendigere Verarbeitung und Vermarktung
- Besondere Anforderungen der jeweiligen Haltungsform
Ein höherer Preis ist allerdings kein automatischer Beweis für bessere Tierhaltung oder höhere Produktqualität.
Entscheidend bleiben die tatsächlichen Bedingungen auf dem Hof, die Transparenz des Erzeugers und die Qualität der Produkte.
Was können Verbraucher konkret tun?
Wer zum Erhalt gefährdeter Nutztierrassen beitragen möchte, muss nicht selbst Landwirt werden.
Schon das Interesse an traditionellen Rassen kann dazu beitragen, ihre Bedeutung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
1. Regionale Betriebe gezielt unterstützen
Fragen Sie beim Einkauf im Hofladen nach, welche Nutztierrassen gehalten werden und ob der Betrieb an einem Erhaltungszuchtprogramm teilnimmt.
2. Arche-Höfe besuchen
Auf Arche-Höfen lassen sich seltene Nutztierrassen kennenlernen. Viele Betriebe vermitteln anschaulich, warum ihre Erhaltung wichtig ist.
3. Bewusst einkaufen
Wenn Sie tierische Lebensmittel konsumieren, können Sie gezielt Erzeuger unterstützen, die nachvollziehbar zur Erhaltung gefährdeter Rassen beitragen.
4. Erhaltungsorganisationen unterstützen
Organisationen wie die GEH, Zuchtvereine und regionale Initiativen leisten wichtige Arbeit. Je nach Organisation sind Mitgliedschaften, Spenden oder Patenschaften möglich.
5. Wissen weitergeben
Viele Menschen kennen weder das Bunte Bentheimer Schwein noch das Limpurger Rind. Schon die Weitergabe fundierter Informationen kann helfen, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen.
Wie unterstützt der Staat gefährdete Nutztierrassen?
Die Erhaltung genetischer Vielfalt in der Landwirtschaft ist auch eine öffentliche Aufgabe.
In Deutschland existieren verschiedene Fördermöglichkeiten für die Zucht und Haltung gefährdeter Nutztierrassen. Die konkrete Ausgestaltung unterscheidet sich je nach Bundesland.
Förderprogramme können beispielsweise die Haltung bestimmter Rinder-, Schaf-, Ziegen-, Schweine- oder Pferderassen unterstützen.
Daneben gibt es Maßnahmen zur Dokumentation von Zuchtbeständen und zur langfristigen Sicherung genetischen Materials.
Genbanken als zusätzliche Absicherung
Eine besondere Rolle spielen Genbanken, in denen beispielsweise tiefgefrorenes Sperma gefährdeter Nutztierrassen gelagert werden kann.
Solche Reserven können helfen, genetisches Material für zukünftige Zuchtmaßnahmen zu bewahren.
Sie ersetzen jedoch keine lebenden Populationen mit ausreichend vielen Zuchttieren.
Für eine nachhaltige Erhaltung müssen die Tiere weiterhin gezüchtet, ihre Abstammungen dokumentiert und ihre Bestände langfristig stabilisiert werden.
Häufige Fragen zu gefährdeten Nutztierrassen
Wie viele Nutztierrassen sind in Deutschland gefährdet?
Laut der Roten Liste 2025 der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gelten 59 von 83 einheimischen Großtierrassen und 64 von 125 einheimischen Kleintierrassen als gefährdet.
Welche alten Schweinerassen gibt es in Deutschland?
Zu den bekannten traditionellen Schweinerassen gehören das Bunte Bentheimer Schwein, das Schwäbisch-Hällische Schwein, das Deutsche Sattelschwein und das Rotbunte Husumer Schwein. Auch die Rasse Leicoma ist für die Erhaltungszucht relevant.
Welche alten Rinderrassen sind bedroht?
Zu den gefährdeten beziehungsweise in Erhaltungsprogrammen berücksichtigten Rinderrassen gehören unter anderem das Limpurger Rind, das Glanrind, das Murnau-Werdenfelser Rind und das Rote Höhenvieh. Die genaue Gefährdungseinstufung unterscheidet sich je nach Rasse und Bewertungsverfahren.
Warum sind alte Nutztierrassen wichtig?
Sie bewahren genetische Vielfalt, landwirtschaftliches Kulturerbe und teilweise besondere Eigenschaften, die für zukünftige Zuchtprogramme oder bestimmte Bewirtschaftungsformen von Bedeutung sein können.
Sind alte Nutztierrassen automatisch robuster?
Nein. Manche traditionellen Rassen besitzen Eigenschaften, die für bestimmte Umwelt- und Haltungsbedingungen vorteilhaft sind. Eine pauschal höhere Robustheit oder Krankheitsresistenz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Wo kann man seltene Nutztierrassen sehen?
Eine Möglichkeit bieten Arche-Höfe, Erhaltungszuchtbetriebe, ausgewählte Tierparks und landwirtschaftliche Veranstaltungen. Informationen über entsprechende Projekte stellt unter anderem die GEH bereit.
Kann ein Hofladen zum Erhalt alter Rassen beitragen?
Ja. Durch Direktvermarktung können landwirtschaftliche Betriebe zusätzliche Einnahmen erzielen, die die Haltung und Zucht seltener Rassen wirtschaftlich unterstützen. Voraussetzung ist, dass tatsächlich eine Verbindung zur Erhaltungszucht besteht.
Fazit: Wenn alte Nutztierrassen verschwinden, verlieren wir mehr als ein Stück Vergangenheit
Das Verschwinden traditioneller Nutztierrassen ist kein rein nostalgisches Thema. Es betrifft die genetische Vielfalt unserer Landwirtschaft und damit auch ihre zukünftigen Handlungsmöglichkeiten.
Die Tatsache, dass laut der Roten Liste 2025 insgesamt 59 von 83 einheimischen Großtierrassen gefährdet sind, zeigt, wie groß die Herausforderung ist.
Doch es gibt auch Hoffnung. Engagierte Landwirte, Zuchtvereine, Arche-Höfe und staatliche Erhaltungsprogramme arbeiten daran, seltene Rassen langfristig zu bewahren.
Auch Verbraucher können dazu beitragen, indem sie sich informieren, regionale Erzeuger kennenlernen und gezielt Betriebe unterstützen, die sich für gefährdete Nutztierrassen einsetzen.
Vielleicht lohnt sich deshalb beim nächsten Besuch im Hofladen eine ungewöhnliche Frage:
„Welche Tierrassen halten Sie eigentlich auf Ihrem Hof?“
Die Antwort könnte überraschender sein, als Sie denken.