Direkt vom Hof

Fleisch essen – Pro und Contra: Wie sinnvoll ist Fleisch heute noch?

5
(1)

Fleisch - Pro und Contra

Fleisch gehört für viele Menschen selbstverständlich auf den Speiseplan. Gleichzeitig wird kaum ein anderes Lebensmittel so kontrovers diskutiert. Während die einen auf Geschmack, Tradition und hochwertige Nährstoffe verweisen, sehen andere vor allem Tierwohl, Klima und einen zu hohen Fleischkonsum kritisch.

Doch die Diskussion wird häufig erstaunlich schwarz-weiß geführt: Fleisch gilt entweder als unverzichtbares Lebensmittel oder als grundsätzlich problematisch. Dabei liegt die entscheidende Frage vermutlich dazwischen: Wie viel Fleisch essen wir, woher kommt es und unter welchen Bedingungen wurde es erzeugt?

Gerade beim Einkauf direkt beim landwirtschaftlichen Betrieb lohnt sich deshalb ein differenzierter Blick.

Pro Fleisch: Ein nährstoffreiches Lebensmittel

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist Fleisch zunächst einmal ein Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte. Es liefert hochwertiges Eiweiß und enthält – je nach Tierart und Teilstück – unter anderem Eisen, Zink und verschiedene B-Vitamine.

Besonders Vitamin B12 spielt dabei eine wichtige Rolle, da es natürlicherweise vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Auch Eisen aus Fleisch kann vom menschlichen Körper vergleichsweise gut aufgenommen werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Fleisch für eine ausgewogene Ernährung zwingend notwendig wäre. Viele Nährstoffe lassen sich auch über andere Lebensmittel aufnehmen. Bei einer vollständig veganen Ernährung muss insbesondere Vitamin B12 gezielt ergänzt werden.

Fleisch kann also ernährungsphysiologisch wertvoll sein – ein Argument für einen möglichst hohen Konsum ist das jedoch nicht.

Contra Fleisch: Wir essen häufig mehr als nötig

Einer der stärksten Kritikpunkte richtet sich weniger gegen Fleisch an sich als gegen die konsumierte Menge.

Über Jahrzehnte war Fleisch in Deutschland vergleichsweise günstig und nahezu jederzeit verfügbar. Was früher häufig der Sonntagsbraten war, wurde für viele Menschen zum alltäglichen Lebensmittel: Wurst zum Frühstück, Schnitzel zum Mittagessen und vielleicht noch Aufschnitt zum Abendbrot.

Genau hier lohnt sich Selbstkritik.

Denn gesundheitliche Empfehlungen sprechen keineswegs dafür, täglich große Mengen Fleisch und Wurstwaren zu verzehren. Besonders stark verarbeitetes Fleisch sollte nicht unbegrenzt auf dem Speiseplan stehen.

Die sinnvollere Frage lautet deshalb möglicherweise nicht:

„Fleisch – ja oder nein?“

Sondern:

„Wie oft und welches Fleisch?“

Pro Fleisch: Landwirtschaft besteht nicht nur aus Gemüsefeldern

In öffentlichen Diskussionen über nachhaltige Ernährung entsteht gelegentlich der Eindruck, Landwirtschaft könne problemlos vollständig auf pflanzliche Produktion umgestellt werden.

So einfach ist es nicht.

Nicht jede landwirtschaftliche Fläche eignet sich gleichermaßen für den Anbau von Getreide, Gemüse oder Hülsenfrüchten für die direkte menschliche Ernährung. Dauergrünland beispielsweise kann durch Wiederkäuer genutzt werden. Tiere können außerdem Nebenprodukte und bestimmte Reststoffe verwerten, die Menschen nicht unmittelbar als Lebensmittel nutzen können.

Tierhaltung ist zudem seit Jahrhunderten Bestandteil landwirtschaftlicher Kreisläufe.

Das ist allerdings kein Freibrief für jede Form der Tierhaltung. Es zeigt lediglich, dass eine sachliche Betrachtung komplexer sein muss als die einfache Gleichung „Tierhaltung schlecht – Pflanzenbau gut“.

Contra Fleisch: Tierwohl bleibt der schwierigste Punkt

Wer Fleisch isst, kommt an einer Tatsache nicht vorbei: Für dieses Lebensmittel wird ein Tier gehalten und letztlich getötet.

Über diesen Punkt sollte man nicht hinwegreden.

Entscheidend ist deshalb, wie das Tier zuvor gelebt hat. Platzangebot, Beschäftigung, Stallklima, Auslauf, Fütterung, Transportwege und der Umgang mit den Tieren machen erhebliche Unterschiede.

Billiges Fleisch hat nicht automatisch schlechte Haltungsbedingungen zur Folge. Ebenso garantiert ein hoher Preis allein noch keine besonders gute Tierhaltung. Trotzdem gilt: Sehr niedrige Verkaufspreise erzeugen enormen wirtschaftlichen Druck entlang der gesamten Produktionskette.

Wer Tierwohl ernst nimmt und gleichzeitig Fleisch essen möchte, sollte deshalb genauer hinsehen, statt ausschließlich nach dem niedrigsten Kilopreis zu entscheiden.

Contra Fleisch: Die Umweltbilanz lässt sich nicht wegdiskutieren

Auch aus ökologischer Sicht gibt es gute Gründe, den Fleischkonsum kritisch zu betrachten.

Tierhaltung benötigt Flächen und Futtermittel und verursacht Treibhausgasemissionen. Besonders bei Wiederkäuern spielt Methan eine wichtige Rolle. Hinzu kommen je nach Produktionssystem beispielsweise Emissionen aus Futtermittelproduktion, Düngung, Stallhaltung und Transport.

Allerdings unterscheiden sich die Auswirkungen erheblich.

Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügel besitzen unterschiedliche Umweltbilanzen. Auch Fütterung, Haltungsform, Herkunft der Futtermittel und Flächennutzung spielen eine Rolle.

Deshalb ist auch hier eine pauschale Bewertung schwierig.

Fest steht jedoch: Ein insgesamt geringerer Fleischkonsum kann den ökologischen Fußabdruck der Ernährung reduzieren.

Pro: Regionales Fleisch schafft Transparenz

Ein Argument für den Einkauf direkt beim Hof oder bei regionalen Metzgereien ist die mögliche Transparenz.

Im Supermarkt sehen Verbraucher in erster Linie eine Verpackung. Beim Direktvermarkter lässt sich häufig wesentlich konkreter erfahren:

  • Wo wurden die Tiere gehalten?
  • Wie werden sie gefüttert?
  • Welche Haltungsform wird eingesetzt?
  • Wo findet die Schlachtung statt?
  • Wie weit sind die Transportwege?
  • Wer steht hinter dem Produkt?

Das bedeutet nicht, dass regional automatisch besser ist. Regionalität ersetzt keine Kriterien für Tierwohl. Ein Betrieb in der Nachbarschaft kann gute oder schlechte Bedingungen bieten – genauso wie ein weiter entferntes Unternehmen.

Der große Vorteil der Direktvermarktung besteht jedoch darin, dass Verbraucher nachfragen können.

Und genau das sollten sie auch tun.

Contra: Gutes Fleisch kostet mehr

Wer weniger intensive Tierhaltung, höhere Tierwohlstandards und faire Preise für Landwirte fordert, muss sich mit einer unbequemen Konsequenz beschäftigen:

Fleisch kann dann nicht gleichzeitig immer billiger werden.

Mehr Platz kostet Geld. Hochwertiges Futter kostet Geld. Arbeit kostet Geld. Kleine Schlachtstrukturen und kurze Transportwege können ebenfalls höhere Kosten verursachen.

Die Lösung muss deshalb nicht zwangsläufig darin bestehen, für den bisherigen Fleischkonsum einfach deutlich mehr Geld auszugeben.

Ein anderer Ansatz lautet:

Weniger Fleisch kaufen, dafür bewusster.

Aus fünf oder sechs Fleischmahlzeiten pro Woche könnten beispielsweise zwei oder drei werden. Dadurch entsteht finanzieller Spielraum für eine andere Qualität oder Herkunft.

Für viele Haushalte dürfte dieser Ansatz realistischer sein als die Forderung, ausschließlich besonders hochpreisiges Fleisch zu kaufen.

Regional ist nicht automatisch klimafreundlich

Auch ein beliebtes Argument für regionale Lebensmittel verdient eine kritische Betrachtung.

Kurze Transportwege sind grundsätzlich positiv. Der Transport ist jedoch nur ein Teil der gesamten Umweltbilanz eines Lebensmittels.

Bei Fleisch können beispielsweise Fütterung, Haltung und Flächennutzung wesentlich stärker ins Gewicht fallen als die Entfernung zwischen Bauernhof und Verkaufsstelle.

Ein Stück Fleisch vom Hof zehn Kilometer entfernt ist deshalb nicht allein aufgrund dieser Entfernung automatisch nachhaltiger als jedes Fleisch aus einer anderen Region.

„Regional“ ist ein wichtiges Kriterium – aber kein Qualitätssiegel für alles.

Was spricht für weniger Fleisch?

Ein reduzierter Fleischkonsum kann mehrere Vorteile miteinander verbinden.

Wer seltener Fleisch isst, kann stärker auf Herkunft und Haltungsbedingungen achten. Gleichzeitig sinkt der Ressourcenverbrauch der eigenen Ernährung. Pflanzliche Lebensmittel wie Kartoffeln, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte erhalten mehr Raum auf dem Speiseplan.

Und Fleisch bekommt möglicherweise wieder einen anderen Stellenwert.

Statt möglichst billig und täglich verfügbar zu sein, wird es wieder stärker als hochwertiges Lebensmittel wahrgenommen.

Interessanterweise wäre das gar keine völlig neue Ernährungsweise. Für frühere Generationen war der tägliche Fleischkonsum keineswegs selbstverständlich.

Was spricht gegen einen vollständigen Verzicht?

Aus ethischer Sicht kann der komplette Verzicht auf Fleisch eine konsequente Entscheidung sein. Die Schlussfolgerung, dass deshalb jeder Mensch auf Fleisch verzichten müsse, lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten.

Tierhaltung kann Bestandteil funktionierender landwirtschaftlicher Systeme sein. Fleisch liefert wertvolle Nährstoffe, gehört zu unserer Esskultur und sichert Einkommen in Landwirtschaft, Verarbeitung, Metzgereien und Gastronomie.

Auch viele bäuerliche Betriebe wären ohne Tierhaltung wirtschaftlich kaum in ihrer heutigen Form denkbar.

Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb darin, Tierhaltung und Fleischkonsum auf ein verantwortbares Niveau zu bringen.

Die Verantwortung liegt nicht nur beim Verbraucher

In der Debatte wird Verantwortung gerne auf den Einkaufswagen abgeschoben: Verbraucher müssten einfach „richtig“ einkaufen.

Das greift zu kurz.

Landwirtschaftliche Betriebe müssen wirtschaftlich arbeiten können. Gleichzeitig erwarten Verbraucher bezahlbare Lebensmittel. Handel und Verarbeiter konkurrieren über Preise. Gesetzgeber definieren Mindeststandards, während Landwirte teilweise erhebliche Investitionen tätigen müssen, um neue Anforderungen umzusetzen.

Wer bessere Tierhaltung fordert, muss deshalb auch beantworten, wer sie bezahlt.

Es ist wenig glaubwürdig, höhere Standards zu verlangen und anschließend beim Einkauf ausschließlich zum billigsten Produkt zu greifen.

Umgekehrt darf ein höherer Preis nicht automatisch als Beweis für Nachhaltigkeit oder Tierwohl gelten.

Direkt beim Hof kaufen – aber Fragen stellen

Wer Fleisch nicht grundsätzlich ablehnt, kann beim regionalen Einkauf bewusster entscheiden.

Auf DirektvomHof.com finden Verbraucher Hofläden und Direktvermarkter aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Neben Obst, Gemüse, Eiern, Honig und anderen regionalen Lebensmitteln bieten zahlreiche Betriebe auch Fleisch- und Wurstwaren an.

Gerade dort bietet sich eine Möglichkeit, die im anonymen Lebensmitteleinkauf häufig fehlt: das Gespräch mit den Erzeugern.

Fragen Sie nach Haltung, Fütterung, Herkunft und Schlachtung. Ein guter Direktvermarkter sollte solche Fragen nicht als Angriff verstehen, sondern nachvollziehbar beantworten können.

Denn Vertrauen entsteht nicht durch ein idyllisches Hofbild auf einer Verpackung, sondern durch Transparenz.

Fazit: Fleisch ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht

Die Fleischdebatte leidet darunter, dass sie häufig moralisch aufgeladen und auf zwei extreme Positionen reduziert wird.

Die eine Seite vermittelt den Eindruck, Fleischkonsum müsse grundsätzlich verteidigt werden. Die andere behandelt nahezu jede Form der Nutztierhaltung als überholt.

Beide Sichtweisen machen es sich zu einfach.

Es gibt gute Argumente für Fleisch: Nährstoffdichte, Genuss, Esskultur, landwirtschaftliche Kreisläufe und die wirtschaftliche Bedeutung der Tierhaltung.

Es gibt ebenso gewichtige Gegenargumente: Tierwohl, Ressourcenverbrauch, Treibhausgasemissionen und die gesundheitlichen Folgen eines dauerhaft zu hohen beziehungsweise ungünstig zusammengesetzten Fleischkonsums.

Eine vernünftige Konsequenz kann deshalb lauten:

Weniger, bewusster und transparenter.

Fleisch muss weder täglich auf dem Teller liegen noch vollständig daraus verschwinden. Wer Fleisch essen möchte, kann die Menge reduzieren, stärker auf Qualität achten und nachfragen, wo und wie das Tier gehalten wurde.

Vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn Fleisch wieder das würde, was es lange Zeit einmal war: ein wertvolles Lebensmittel – und keine beliebige Billigware.

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicken Sie auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 1

Bisher keine Bewertungen! Seien Sie der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil Sie diesen Beitrag nützlich fanden...

Folgen Sie uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?