
Steinpilze im Moos, Maronen unter Kiefern und vielleicht sogar eine Krause Glucke am Wegesrand: Für Pilzsammler beginnt jetzt eine der schönsten Zeiten des Jahres.
Ende September 2026 ist die Pilzsaison in vielen Regionen Deutschlands angelaufen. Allerdings zeigt sich in diesem Jahr besonders deutlich: Nur weil in einem Waldstück Pilzsaison ist, muss dort noch lange kein voller Korb warten.
Der heiße und vielerorts trockene Sommer hat die Entwicklung gebremst. Entscheidend ist jetzt vor allem, wo in den vergangenen Tagen ausreichend Regen gefallen ist und der Waldboden genügend Feuchtigkeit speichern konnte.
Wer zur richtigen Zeit im richtigen Wald unterwegs ist, kann derzeit dennoch gute Chancen auf Steinpilze, Maronen, Birkenpilze und verschiedene andere Röhrlinge haben.
Wie ist die Pilzsaison 2026 aktuell?
Die Situation unterscheidet sich momentan stark von Region zu Region.
Während manche Wälder noch vergleichsweise trocken sind, werden aus anderen Gebieten bereits zahlreiche Funde gemeldet. Besonders nach ergiebigem Regen können die sichtbaren Fruchtkörper innerhalb relativ kurzer Zeit erscheinen.
In Niedersachsen hat die Hauptsaison inzwischen begonnen. Pilzsachverständige berichten beispielsweise aus dem Raum Tostedt bereits von Steinpilzen, Birkenpilzen und Maronen.
Auch aus Thüringen werden aktuell zahlreiche Steinpilze, Maronen und andere Röhrlinge gemeldet.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Pilze flächendeckend wachsen.
Entscheidend ist weniger das Bundesland als die Feuchtigkeit im konkreten Waldstück.
Warum Regen für Pilzsammler jetzt so wichtig ist
Der eigentliche Pilz lebt größtenteils unsichtbar als feines Geflecht – das sogenannte Myzel – im Boden oder im Holz.
Das, was wir sammeln, ist lediglich der Fruchtkörper.
Damit diese Fruchtkörper entstehen können, braucht es geeignete Bedingungen. Besonders wichtig ist ausreichend Feuchtigkeit.
Nach längeren Trockenperioden kann das Pilzmyzel weiterhin vorhanden sein, ohne dass über dem Boden viel zu sehen ist. Erst wenn genügend Wasser zur Verfügung steht und die Temperaturen passen, beginnt die Bildung neuer Fruchtkörper.
Deshalb kann ein Wald innerhalb weniger Tage plötzlich vollkommen anders aussehen.
Wann lohnt sich die Pilzsuche besonders?
Eine starre Regel wie „drei Tage nach Regen stehen die Pilze“ gibt es nicht.
Als grobe Orientierung können jedoch mehrere Faktoren helfen:
- mehrere Tage mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit
- milde Temperaturen
- Nächte ohne starken Frost
- feuchte Waldböden
- Moos und Laub, die Feuchtigkeit speichern
Ein kurzer Regenschauer nach wochenlanger Trockenheit reicht dagegen häufig nicht aus.
Interessanter sind Regionen, in denen über mehrere Tage immer wieder Niederschlag gefallen ist und die Feuchtigkeit tatsächlich in den Boden eindringen konnte.
Wo wachsen Steinpilze?
Der Steinpilz gehört für viele Sammler zu den begehrtesten Speisepilzen überhaupt.
Wer ihn sucht, sollte vor allem auf den Wald achten.
Steinpilze leben in enger Gemeinschaft mit bestimmten Bäumen. Sie bilden sogenannte Mykorrhiza-Verbindungen, bei denen Pilz und Baum voneinander profitieren.
Typische Begleiter sind unter anderem:
- Fichten
- Buchen
- Eichen
- Kiefern
- Birken
Besonders interessant sind ältere Laub-, Nadel- und Mischwälder mit einer natürlichen Bodenstruktur.
Moosige Bereiche können ebenfalls interessant sein, weil dort Feuchtigkeit häufig länger gespeichert wird.
Wer einen Steinpilz findet, sollte die unmittelbare Umgebung aufmerksam absuchen. Fruchtkörper derselben Art können in einem begrenzten Bereich mehrfach auftreten.
Maronen: Besonders häufig im Nadelwald
Auch der Maronenröhrling gehört zu den klassischen Herbstpilzen.
Er kommt vor allem in Nadelwäldern vor, kann aber ebenfalls in Misch- und Laubwäldern gefunden werden.
Typische Standorte befinden sich unter:
- Fichten
- Kiefern
Besonders moosige und leicht saure Waldböden können gute Standorte sein.
Die Hauptzeit reicht häufig bis weit in den Herbst hinein. Solange die Temperaturen mild bleiben und ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist, können Maronen auch noch im Oktober oder November erscheinen.
Birkenpilze: Der Name verrät bereits den besten Hinweis
Wer einen Birkenpilz sucht, sollte zunächst nach Birken Ausschau halten.
Der Pilz lebt in enger Verbindung mit diesen Bäumen und ist deshalb häufig in deren Nähe zu finden.
Interessant können unter anderem sein:
- Birkenwälder
- Mischwälder mit einzelnen Birken
- Waldränder
- lichte Waldflächen
Der Baum ist bei der Pilzsuche häufig mindestens genauso wichtig wie der Waldboden.
Pfifferlinge: Nicht nur unter Nadelbäumen
Pfifferlinge können sowohl in Nadel- als auch in Laubwäldern vorkommen.
Sie leben ebenfalls in Gemeinschaft mit Bäumen und können unter anderem bei Fichten, Buchen und Eichen auftreten.
Typisch sind eher nährstoffarme Böden.
Da Pfifferlinge häufig mehrere Fruchtkörper an einem Standort bilden, lohnt sich nach einem ersten Fund ein genauer Blick in die nähere Umgebung.
Krause Glucke: Augen auf an alten Kiefern
Die Krause Glucke sieht vollkommen anders aus als klassische Hutpilze.
Ihr stark verzweigter Fruchtkörper erinnert ein wenig an einen Schwamm oder einen Blumenkohl.
Sie wächst häufig am Fuß älterer Kiefern oder an deren Wurzeln.
Wer in einem Kiefernwald unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur den Waldboden zwischen den Bäumen absuchen, sondern auch den Bereich unmittelbar um die Stämme beobachten.
Parasol: Große Pilze auf lichten Flächen
Der Parasol oder Riesenschirmling gehört zu den auffälligeren Pilzen des Herbstes.
Er wächst häufig nicht mitten im dunklen Wald, sondern bevorzugt eher lichte Bereiche.
Dazu gehören beispielsweise:
- Waldränder
- Waldwiesen
- lichte Laubwälder
- grasige Wegränder
Allerdings gibt es verschiedene ähnliche Arten. Auch bei scheinbar auffälligen Pilzen sollte deshalb niemals allein nach einem Foto bestimmt werden.
Welche Wälder sind jetzt besonders interessant?
Wer derzeit nach Pilzen sucht, sollte weniger nach einem angeblichen „Geheimwald“ suchen und stärker auf die Bedingungen vor Ort achten.
Interessant können jetzt insbesondere sein:
- feuchte Mischwälder
- moosige Fichten- und Kiefernwälder
- ältere Buchenwälder
- Wälder mit Birken
- lichte Waldränder
Ein gutes Zeichen ist ein Waldboden, der sich noch feucht anfühlt und nicht vollständig ausgetrocknet ist.
Auch andere Pilzarten im Wald können darauf hindeuten, dass die Bedingungen grundsätzlich stimmen.
Warum ein vermeintlich perfekter Wald trotzdem leer sein kann
Viele Anfänger sind überrascht, wenn ein Wald genau richtig aussieht und trotzdem kaum Pilze zu finden sind.
Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe.
Vielleicht hat dort weniger Regen gefallen als nur wenige Kilometer entfernt. Vielleicht ist der Boden stärker ausgetrocknet. Möglicherweise war ein anderer Sammler bereits früher unterwegs.
Und selbst bei guten Bedingungen erscheinen nicht alle Pilzarten gleichzeitig.
Pilzwachstum ist deshalb nur begrenzt vorhersehbar.
Niedersachsen: 2026 regional gute Chancen
Niedersachsen bietet mit seinen großen Nadel-, Laub- und Mischwäldern grundsätzlich zahlreiche geeignete Gebiete für Pilze.
Im September 2026 werden bereits verschiedene Funde gemeldet.
Besonders interessant können beispielsweise Waldgebiete in der Lüneburger Heide, im Harz, im Weserbergland, im Solling sowie in anderen größeren Waldregionen sein.
Doch auch hier gilt:
Ein bekannter Pilzwald ist keine Garantie für einen Fund.
Die lokalen Niederschläge der vergangenen Tage sind oftmals wichtiger als der Name des Waldgebietes.
Der beste Pilzplatz liegt manchmal näher als gedacht
Es muss nicht immer der berühmte große Wald sein.
Auch kleinere Mischwälder, Waldränder oder weniger bekannte Waldstücke können geeignete Lebensräume bieten.
Wer häufiger Pilze sammeln möchte, profitiert deshalb davon, seine eigene Umgebung über mehrere Jahre zu beobachten.
Wo stehen welche Bäume?
Welche Bereiche bleiben nach Regen lange feucht?
Wo wächst viel Moos?
Und an welchen Stellen tauchten in früheren Jahren Pilze auf?
Mit der Zeit entsteht so eine persönliche Karte interessanter Pilzstellen.
Der größte Fehler: Pilze nur mit einer App bestimmen
Smartphone-Apps und künstliche Intelligenz können interessant sein, um sich mit Pilzen zu beschäftigen.
Als alleinige Grundlage für die Entscheidung, ob ein unbekannter Pilz gegessen werden kann, sind sie jedoch ungeeignet.
Mehrere Pilzarten sehen sich auf Fotos erstaunlich ähnlich.
Für eine sichere Bestimmung können unter anderem Merkmale an Hut, Stiel, Unterseite, Stielbasis, Geruch und Fleisch entscheidend sein.
Ein einziges Foto zeigt diese Merkmale häufig nicht ausreichend.
Essen Sie deshalb ausschließlich Pilze, die Sie zweifelsfrei kennen.
Bei Unsicherheit sollte der Fund einem ausgebildeten Pilzsachverständigen oder einer Pilzberatungsstelle vorgelegt werden.
Vorsicht vor gefährlichen Verwechslungen
Deutschland besitzt nicht nur viele hervorragende Speisepilze, sondern auch stark giftige Arten.
Besonders gefährlich sind beispielsweise Knollenblätterpilze.
Schon relativ geringe Mengen können schwere Vergiftungen verursachen.
Deshalb gilt auch für erfahrenere Sammler: Ein Pilz gehört erst dann in die Pfanne, wenn seine Art sicher feststeht.
Im Zweifel bleibt er im Wald.
Junge und frische Exemplare bevorzugen
Nicht nur die Pilzart entscheidet darüber, ob ein Fund für die Küche geeignet ist.
Auch der Zustand spielt eine Rolle.
Sehr alte, matschige oder bereits stark zersetzte Pilze sollten grundsätzlich stehen bleiben.
Das gilt selbst für bekannte Speisepilze.
Junge und feste Fruchtkörper sind für die Küche meist deutlich besser geeignet.
Pilze besser im Korb transportieren
Gesammelte Pilze sollten luftig transportiert werden.
Ein klassischer Korb eignet sich deshalb wesentlich besser als eine luftdichte Plastiktüte.
In einer Kunststofftüte können Pilze schnell warm und feucht werden und verderben.
Außerdem werden empfindliche Fruchtkörper darin leicht zerdrückt.
Wie viele Pilze darf man sammeln?
Wild wachsende Pilze dürfen in Deutschland grundsätzlich nicht einfach in unbegrenzten Mengen mitgenommen werden.
Für viele Arten gilt die sogenannte Handstraußregel: Für den persönlichen Bedarf dürfen Pilze in geringen Mengen pfleglich entnommen werden.
Was genau als geringe Menge angesehen wird, kann regional unterschiedlich gehandhabt werden.
Wer größere Mengen oder Pilze gewerblich sammeln möchte, benötigt entsprechende Genehmigungen.
Zusätzlich können für bestimmte Arten und Schutzgebiete besondere Regeln gelten.
In Schutzgebieten können andere Regeln gelten
Nicht jeder Wald darf gleichermaßen zum Pilzesammeln genutzt werden.
Insbesondere Naturschutzgebiete können besondere Vorschriften haben.
Auch gesperrte Waldflächen, forstwirtschaftliche Arbeiten oder Betretungsverbote müssen beachtet werden.
Informieren Sie sich deshalb vor Ort über mögliche Einschränkungen.
Pilzsammler sollten Rücksicht auf den Wald nehmen
Wer Pilze sammelt, sollte möglichst wenig Spuren hinterlassen.
Dazu gehört beispielsweise:
- keine Pflanzen unnötig beschädigen
- Waldboden nicht großflächig aufwühlen
- Müll wieder mitnehmen
- Wildtiere nicht stören
- gesperrte Bereiche respektieren
- nur so viele Pilze sammeln, wie tatsächlich benötigt werden
Der Wald ist kein Supermarktregal, sondern ein komplexer Lebensraum.
Abschneiden oder herausdrehen?
Über diese Frage wird unter Pilzsammlern seit Jahrzehnten diskutiert.
Für das unterirdische Pilzgeflecht macht es nach aktuellem Kenntnisstand kaum einen entscheidenden Unterschied, ob ein Fruchtkörper vorsichtig abgeschnitten oder herausgedreht wird.
Für eine sichere Bestimmung kann es sogar sinnvoll sein, einen unbekannten Pilz vollständig und vorsichtig zu entnehmen, da wichtige Bestimmungsmerkmale an der Stielbasis sitzen können.
Entscheidend ist vor allem, den Waldboden dabei nicht unnötig zu beschädigen.
Was tun bei Verdacht auf Pilzvergiftung?
Treten nach dem Verzehr selbst gesammelter Pilze Beschwerden auf, sollte nicht abgewartet werden.
Kontaktieren Sie umgehend einen Arzt oder ein Giftinformationszentrum.
Wenn möglich, sollten Reste der Pilzmahlzeit oder ungeputzte Exemplare aufbewahrt werden. Sie können bei der Identifizierung helfen.
Versuchen Sie nicht, eine mögliche Vergiftung allein anhand von Internetfotos oder einer App einzuschätzen.
Fazit: Jetzt lohnt sich der Blick in den Wald
Ende September 2026 beginnt in vielen Regionen Deutschlands die interessanteste Phase der Pilzsaison.
Steinpilze, Maronen, Birkenpilze und zahlreiche weitere Arten sind bereits unterwegs – allerdings regional sehr unterschiedlich.
Wer gute Chancen haben möchte, sollte deshalb nicht nur auf den Kalender schauen.
Viel wichtiger sind Regen, Bodenfeuchtigkeit, Temperatur und die richtigen Bäume.
Und vielleicht ist genau das der besondere Reiz des Pilzesammelns:
Man kann ziemlich genau wissen, wo Pilze wachsen könnten – und trotzdem nie sicher sein, was hinter dem nächsten Baum wartet.