Direkt vom Hof

El Niño und die deutsche Landwirtschaft: Was das Klimaphänomen für unsere Höfe bedeuten kann

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El Nino und die deutsche Landwirtschaft

Dürre in Afrika, Starkregen in Südamerika, schwächere Monsunregen in Asien – wenn von El Niño die Rede ist, scheinen die Auswirkungen zunächst weit von deutschen Äckern, Weiden und Hofläden entfernt zu sein.

Doch ganz so einfach ist es nicht.

El Niño gehört zu den bedeutendsten natürlichen Klimaphänomenen der Erde. Veränderungen der Wassertemperaturen im tropischen Pazifik können atmosphärische Strömungen beeinflussen und dadurch Wetterverhältnisse in weit entfernten Regionen verändern. Gleichzeitig können Ernteausfälle in wichtigen Agrarländern Auswirkungen auf die Weltmarktpreise für Getreide, Futtermittel, Pflanzenöle oder andere Lebensmittel haben.

Für die deutsche Landwirtschaft stellt sich deshalb die Frage: Was bedeutet ein starker El Niño tatsächlich für unsere Höfe – und müssen Verbraucher mit höheren Preisen rechnen?

Was ist El Niño eigentlich?

El Niño ist Teil der sogenannten El Niño-Southern Oscillation, kurz ENSO. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark.

Das Phänomen tritt typischerweise etwa alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert häufig mehrere Monate. Durch die enorme Fläche des Pazifiks bleibt diese Erwärmung nicht ohne Folgen: Luftdruck, Niederschläge und atmosphärische Zirkulation verändern sich teilweise über große Entfernungen hinweg.

Das Gegenstück heißt La Niña. Dabei sind die entsprechenden Bereiche des tropischen Pazifiks ungewöhnlich kühl.

Wichtig ist jedoch: El Niño ist kein vom Menschen verursachtes Wetterphänomen. ENSO gehört zur natürlichen Variabilität des Klimasystems. Allerdings trifft El Niño heute auf einen insgesamt wärmeren Planeten. Dadurch können sich insbesondere Hitze- und Trockenheitsrisiken zusätzlich verschärfen.

Weitere Informationen bietet unter anderem die Welternährungsorganisation FAO.

2026 entwickelt sich erneut ein El Niño

Das Thema ist aktuell besonders relevant. Die FAO warnte 2026 vor einem neuen El-Niño-Ereignis und erhöhten Risiken für die Landwirtschaft in verschiedenen Teilen der Welt.

Besonders gefährdet sind unter anderem Teile Afrikas, Süd- und Südostasiens sowie Mittelamerikas und der Karibik. Dort können Trockenheit, ungewöhnlich hohe Temperaturen oder veränderte Niederschlagsmuster die landwirtschaftliche Produktion erheblich beeinträchtigen.

Deutschland gehört allerdings nicht zu den klassischen El-Niño-Risikogebieten.

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Bedeutet El Niño automatisch einen heißen Sommer in Deutschland?

Nein.

Eine häufige Fehlinterpretation besteht darin, El Niño unmittelbar mit einem bestimmten Wetterverlauf in Deutschland gleichzusetzen.

El Niño kommt – also bekommen wir automatisch Hitze und Dürre.

So funktioniert das Klimasystem nicht.

Die Zusammenhänge zwischen ENSO und dem europäischen Wetter sind deutlich schwächer und komplizierter als beispielsweise im tropischen Pazifikraum. Andere Faktoren wie die Lage des Jetstreams, die Nordatlantische Oszillation, die Temperaturen des Atlantiks und kurzfristige Großwetterlagen können für Deutschland wesentlich wichtiger sein.

Ein El-Niño-Jahr kann deshalb in Deutschland regional trocken, nass, warm oder durchaus wechselhaft ausfallen.

Für einen einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb lässt sich aus der Aussage „Es herrscht El Niño“ keine zuverlässige Wettervorhersage für die kommende Saison ableiten.

Trotzdem kann El Niño deutsche Landwirte treffen

Interessant wird es beim Blick über die Landesgrenzen hinaus.

Die deutsche Landwirtschaft ist Teil eines internationalen Agrarmarktes. Futtermittel, Dünger, Energie, Saatgut und landwirtschaftliche Rohstoffe werden weltweit gehandelt.

Kommt es aufgrund von El Niño in wichtigen Anbauregionen zu Ernteausfällen, können deshalb auch deutsche Betriebe Auswirkungen spüren.

Das gilt beispielsweise für:

  • Soja und andere Futtermittel
  • Mais
  • Reis
  • Pflanzenöle
  • Kaffee und Kakao
  • bestimmte Obst- und Gemüsesorten
  • weitere international gehandelte Agrarrohstoffe

Wie stark die Auswirkungen ausfallen, hängt allerdings davon ab, welche Regionen betroffen sind und wie gut die Ernten in anderen Teilen der Welt ausfallen.

Der Weltmarkt ist möglicherweise wichtiger als das Wetter vor der Haustür

Für manche deutsche Betriebe könnte der bedeutendste Effekt eines El Niño deshalb gar nicht auf dem eigenen Acker stattfinden.

Ein Beispiel sind Futtermittel.

Deutschland und Europa beziehen einen Teil ihrer Eiweißfuttermittel beziehungsweise der dafür benötigten Rohstoffe vom internationalen Markt. Beeinträchtigt extremes Wetter die Produktion in wichtigen Exportländern, können sich Preise verändern.

Ähnliches gilt für Getreide.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ENSO-Ereignisse die Erträge wichtiger Kulturpflanzen weltweit beeinflussen können. Die Auswirkungen unterscheiden sich allerdings stark nach Pflanzenart und Region.

El Niño ist deshalb keineswegs gleichbedeutend mit einer weltweiten Missernte.

Genau darin liegt die Schwierigkeit: Während eine Region unter Trockenheit leidet, kann eine andere sogar von günstigeren Wachstumsbedingungen profitieren.

Steigen dadurch unsere Lebensmittelpreise?

Möglich – aber keineswegs zwangsläufig.

Ein einzelnes Klimaphänomen bestimmt nicht den Preis eines Lebensmittels.

Zwischen einem Getreidefeld irgendwo auf der Welt und dem Preis im deutschen Supermarkt liegen zahlreiche weitere Faktoren.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Energiepreise
  • Lohnkosten
  • Verarbeitung
  • Transport
  • Verpackung
  • Wechselkurse
  • Handelsbedingungen
  • Lagerbestände

El Niño kann also ein zusätzlicher Preistreiber sein – er ist aber nur ein Teil eines deutlich größeren Gesamtbildes.

Besonders empfindlich: Tierhaltung und Futtermittel

Für viehhaltende Betriebe sind internationale Preisbewegungen besonders interessant.

Steigen beispielsweise die Preise bestimmter Eiweiß- oder Energiefuttermittel, erhöhen sich die Produktionskosten für Milch, Eier, Schweine- oder Geflügelfleisch.

Gleichzeitig können extreme Wetterbedingungen im eigenen Betrieb die Futterversorgung beeinflussen. Ein trockener Sommer kann beispielsweise die Grünlanderträge reduzieren oder die Maisernte beeinträchtigen.

Treffen regionale Ernteprobleme und hohe Weltmarktpreise gleichzeitig aufeinander, kann daraus eine unangenehme Kombination entstehen.

Gerade deshalb gewinnt eine möglichst robuste betriebliche Futterversorgung an Bedeutung.

Obst- und Gemüsebau reagieren besonders empfindlich

Auch für Obst- und Gemüsebetriebe ist weniger der Begriff El Niño entscheidend als die Frage, welche Wetterlagen tatsächlich entstehen.

Hitze und Trockenheit können den Bewässerungsbedarf erheblich erhöhen. Starkregen wiederum kann Böden verschlämmen, Früchte beschädigen oder Pilzerkrankungen begünstigen.

Bei empfindlichen Kulturen können bereits wenige ungünstige Tage während Blüte, Fruchtbildung oder Ernte erhebliche Auswirkungen haben.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Extreme Hitze belastet nicht nur Pflanzen, sondern auch Menschen und Tiere.

Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das, dass die Anpassung an Wetterextreme zunehmend Teil der normalen Betriebsplanung wird.

Was können deutsche Höfe daraus lernen?

El Niño zeigt vor allem, wie eng Landwirtschaft und Wetter miteinander verbunden sind – und wie schwierig langfristige Planung geworden ist.

Für landwirtschaftliche Betriebe gewinnt deshalb die Widerstandsfähigkeit gegenüber unterschiedlichen Wetterextremen an Bedeutung.

Dazu können je nach Betrieb beispielsweise gehören:

  • Verbesserung der Bodenstruktur
  • Humusaufbau
  • wassersparende Bewässerung
  • angepasste Sortenwahl
  • ausreichende Futterreserven
  • breitere Fruchtfolgen
  • Diversifizierung der Betriebszweige

Dabei geht es nicht darum, sich speziell auf „El-Niño-Wetter“ vorzubereiten.

Viel sinnvoller ist es, einen Betrieb so aufzustellen, dass sowohl trockene als auch sehr nasse oder ungewöhnlich heiße Jahre möglichst gut verkraftet werden können.

Regionale Landwirtschaft bekommt zusätzliche Bedeutung

Globale Wetterereignisse zeigen gleichzeitig einen Vorteil regionaler Lebensmittelversorgung.

Wer Lebensmittel direkt vom Hof kauft, entzieht sich natürlich nicht vollständig den internationalen Märkten. Auch ein deutscher Landwirt benötigt beispielsweise Energie, Maschinen, Futtermittel oder Dünger.

Dennoch verkürzen regionale Vermarktungsstrukturen die Entfernung zwischen Erzeugern und Verbrauchern.

Kartoffeln vom Hof nebenan müssen nicht erst über internationale Handelsketten beschafft werden. Eier aus dem regionalen Hofladen stammen von einem konkreten Betrieb. Bei saisonalem Obst und Gemüse können Verbraucher unmittelbar sehen, was in der eigenen Region gerade wächst und verfügbar ist.

Passende Hofläden in Ihrer Region finden Sie im Hofladen-Verzeichnis.

Gerade in Zeiten schwankender Weltmärkte kann diese Nähe einen Wert bekommen, der über reine Transportkilometer hinausgeht.

El Niño macht deutlich, wie global unser Essen geworden ist

Einige der größten Auswirkungen von El Niño treten Tausende Kilometer von Deutschland entfernt auf. Trotzdem können sie irgendwann bei uns ankommen – beispielsweise als veränderte Rohstoffpreise, höhere Futtermittelkosten oder knappere Importprodukte.

Genau darin liegt eine interessante Erkenntnis:

Landwirtschaft ist gleichzeitig regional und global.

Das Wetter auf einem deutschen Kartoffelacker entscheidet über dessen Ernte. Gleichzeitig können Regenfälle in Südamerika oder Trockenheit in Asien beeinflussen, was bestimmte Agrarrohstoffe auf dem Weltmarkt kosten.

El Niño macht diese Zusammenhänge besonders sichtbar.

Fazit: Kein Grund zur Panik – aber ein Grund hinzuschauen

El Niño bedeutet nicht automatisch Dürre oder Missernten in Deutschland. Dafür ist der Zusammenhang zwischen dem tropischen Pazifik und unserem regionalen Wetter zu komplex.

Für die deutsche Landwirtschaft kann das Klimaphänomen trotzdem relevant werden.

Die unmittelbaren Folgen entstehen möglicherweise weniger auf unseren Feldern als auf den internationalen Agrarmärkten. Wenn wichtige Produktionsregionen unter Dürre, Hitze oder Überschwemmungen leiden, können Rohstoff- und Futtermittelpreise reagieren.

Für Verbraucher ist El Niño deshalb ebenfalls interessant. Er zeigt, wie abhängig unser Ernährungssystem von Wetterereignissen rund um den Globus geworden ist.

Und vielleicht ist genau das ein weiterer guter Grund, beim nächsten Einkauf auch einmal zu schauen, welche Lebensmittel gerade direkt vor der eigenen Haustür erzeugt werden.

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